Samstag, 24. August 2019

14-02-2019 - Man muss sie bei Laune halten

Jugendliche haben nach wie vor Interesse an der Feuerwehr – Bayernweit geht die Zahl zurück
von Simone Kuhnt 
2019 02 14 Man muss sie bei Laune halten
Übung macht den Meister: Die Garhamer Jugendfeuerwehrler beim Löschangriff, der im Rahmen einer Jugendfeuerwehrübung in Hofkirchen gezeigt wurde. −Foto: Franz X. Eder

Vilshofen. Der demografische Wandel, die vielen Freizeitangebote und teilweise auch der Nachmittagsunterricht – das sind Faktoren, die dazu führen, dass es schwieriger wird, Nachwuchs für die Jugendfeuerwehren zu finden. In Bayern ist die Zahl der ehrenamtlichen Jugendlichen bei den Feuerwehren in den vergangenen zwölf Jahren von 52221 auf 46 847 (Anfang 2017) gesunken. Der Trend betrifft auch die Feuerwehren im Raum Vilshofen. Doch Sorgen machen sich die drei Kreisbrandmeister nur zum Teil. Das Interesse an der Feuerwehr ist im Großen und Ganzen da, variiert aber von Ort zu Ort und von Jahr zu Jahr, so der Tenor.

"Die Zahl der Jugendlichen ist bei uns eher rückläufig", sagt Kreisbrandmeister Stefan Drasch, zuständig für die 19 Feuerwehren der Kommunen Vilshofen und Ortenburg. Er hält die Entwicklung für normal, betont aber, dass man sie im Auge behalten müsse. "Jeder Verein hat Nachwuchsprobleme. Das Angebot an Freizeitmöglichkeiten ist groß, besonders in den Städten. Wir stellen fest, dass wir uns um die Jugendlichen bemühen müssen. Die Ausbildung muss interessant und altersgerecht gestaltet werden, und man muss die Gruppengemeinschaft fördern und für Gaudi sorgen."
Zudem würden zentral Werbekampagnen durchgeführt, und man bringe sich bei den Ferienprogrammen der Gemeinden ein.

Martin Scheibel, stellvertretender Jugendwart der Feuerwehr Vilshofen, berichtet von aktuell vier Jugendlichen in seiner Gruppe. Vor ein paar Jahren seien es noch acht bis zehn gewesen. "Als sie 18 wurden, wechselten sie in den aktiven Dienst. Nachgekommen ist bisher nichts", sagt Scheibel. Mehrere Versuche, Nachwuchs zu gewinnen, etwa über zwei Briefe an alle Vilshofener Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, über Facebook und Instagram, seien gescheitert.

"Durch den demografischen Wandel gibt es halt weniger Jugendliche als früher. Aber viele haben nach wie vor Interesse an der Feuerwehr", berichtet Georg Stelzer, KBM von Aicha vorm Wald, Eging am See, Hofkirchen und Windorf. "Meine elf Feuerwehren haben noch keine Sorgen, es ist genügend Nachwuchs da. Aber die Jugendlichen müssen mehr umworben werden. In Garham haben wir eine Kinderfeuerwehr. Da werden schon die Vier- und Fünfjährigen kindgerecht an das Feuerwehrwesen herangeführt." Stelzer beobachtet, dass die Gruppengröße der Jugendfeuerwehren oft abhängig von Freundeskreisen unter den Jugendlichen ist. "Neue Leute kommen meistens gruppenweise. Einzeln kommt selten jemand neu dazu."

Robert Grabler, KBM von Beutelsbach, Aidenbach und Aldersbach, zählt in den zehn Wehren seines Zuständigkeitsbereichs 90 Jugendliche, davon zwei Drittel Jungen und ein Drittel Mädchen. Pro Feuerwehr sind es also vier bis 14 Jugendliche. Die größte Gruppe gebe es in dem Dorf Uttighofen. "Da gibt es keinen Tennisclub und keinen Fußballverein", erklärt Grabler. Also habe es die Feuerwehr dort leichter. Mit den durchschnittlich neun Jugendlichen pro Feuerwehr ist er sehr zufrieden. "Das läuft gscheid guad", sagt Grabler. Doch auch er bestätigt: "Man muss den Jugendlichen einiges bieten." Zur Motivation würden die Jugendfeuerwehren sämtliche angebotenen Abzeichen machen und regelmäßig am kreisweiten Jugendzeltlager teilnehmen.

Die Jugendlichen und Aktiven der Feuerwehr Aidenbach haben letztes Jahr eine Kanutour miteinander unternommen, wie der Aidenbacher Jugendwart Hermann Engl berichtet. Er betreut derzeit zehn Jugendliche. Vor Kurzem waren es nur vier. "Es kommt immer darauf an, wie sie ihre Freunde mitziehen können", sagt auch Engl. Zusammen mit der Feuerwehr Klessing veranstalten die Aidenbacher regelmäßig einen Feuerwehrtag von 8 bis 22 Uhr. Dabei werden verschiedene Einsätze inszeniert. "Man muss die Jugendlichen bei Laune halten", ist Engl überzeugt.

"Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Der Jugendwart ist nach den Kommandanten eine der wichtigsten Positionen in der Feuerwehr", betont KBM Robert Grabler und freut sich über alle Jugendlichen, die zur Feuerwehr gehen: "Da muss man schon fleißig sein. Meine Achtung vor denen, die sich in ihrer Freizeit ausbilden lassen, um anderen helfen zu können."

Quelle: Vilshofener Anzeiger vom 14.02.2019
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