Dienstag, 12. Dezember 2017

01-04-2017 - Kinderfeuerwehren als Zukunftsmodell

Angebot zur Nachwuchswerbung am Vormarsch – Handreichung für Vereine in Arbeit



Feuer und Flamme sind die Buben und Mädchen der Kinderfeuerwehr Garham. − Foto: PNP/Archiv

Pocking. Was tun, wenn vor allem tagsüber während der Arbeitswoche zu wenig Aktive für Lösch- und Rettungseinsätze zur Verfügung stehen? Die Kinderfeuerwehr, wie es sie in Garham (Markt Hofkirchen) seit knapp zwei Jahren gibt, ist sicher nicht die Lösung aller Probleme. "Aber ein zusätzlicher Baustein", erklärte Dieter Schlegl, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrbands Niederbayern, bei der Jahresversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Passau. Das Thema steht buchstäblich noch in den Kinderschuhen. Hoffnungen setzt Dieter Schlegl aber in die Handreichung für Vereine, die gerade überarbeitet wird.

"Die Resonanz war super"

Ziel ist, wie Erwin Schöfberger, Kommandant der Feuerwehr Garham, und Pionier auf diesem Gebiet erklärt, schon frühzeitig um Nachwuchs für die aktive Truppe zu werben. Daher hat er mit weiteren Kräften im Jahr 2015 die Feuerwehr und deren Gerätschaften in der 4. Klasse der örtlichen Grundschule vorgestellt. "Da kann ich noch alle erreichen", begründet Schöfberger die Wahl dieser Zielgruppe. Der Erfolg gibt der Garhamer Wehr recht: "Die Resonanz war super", erzählte der Kommandant seinen Landkreis-Kollegen in der vollbesetzten Pockinger Stadthalle. Der nächste Schritt sei ein Info-Abend mit den Eltern gewesen. Die kurz darauf gegründete Kinderfeuerwehrgruppe umfasst 14 Mitglieder, davon vier Mädchen. Sie existiert neben der achtköpfigen Jugendgruppe, der zwei Mädchen angehören.

Nach den Worten von Dieter Schlegl gibt es niederbayernweit bereits 51 solcher Gruppen mit 379 Kindern. Bisher ist die Einrichtung einer Kinder-Feuerwehr ausschließlich auf Ebene der Feuerwehrvereine möglich, wie der Bezirksverbandsvorsitzende erklärte. Die Versicherung der jüngsten Mitglieder werde nun allerdings durch die Aufnahme dieses Komplexes in das Feuerwehrgesetz gelöst. Dieter Schlegl stellte auch klar, dass es sich dabei nur um ein Angebot für die Wehren handle, nicht um Zwang. "Wir brauchen eine Struktur, die wir möglichst schnell einführen müssen – mit pädagogisch geschultem Personal", unterstrich Kreisjugendwart Robert Anzenberger.

Als Vertreter der Kommunalpolitik erinnerte der gastgebende Bürgermeister Franz Krah an erste Gespräche im Städtetag, wobei sich zwei Kollegen sehr begeistert geäußert hätten, die meisten anderen jedoch wohl abwarten wollten. Seiner Überzeugung nach könne es durchaus Sinn machen, mit einer Kinderfeuerwehr dem Nachwuchsmangel frühzeitig entgegenzusteuern. "Die Stadt Pocking würde sich dem nicht verschließen", fügte Krah hinzu.

Als "Angebot an unsere Feuerwehren" erachtete auch Landrat Franz Meyer die Einrichtung von Kindergruppen auf der Basis der Neufassung des Bayerischen Feuergesetzes, die seinen Prognosen zufolge Mitte des Jahres verabschiedet wird.

Schon ein paar Schritte weiter sind die Feuerwehren im Nachbarland, wie Oberbrandrat Josef Murauer bei der von Helmut Degenhart moderierten Talkrunde verlauten ließ. In Oberösterreich ist der Eintritt in die Jugendfeuerwehr bereits ab zehn Jahren möglich.

"Ehrenamt nicht bis zum letzten belasten"

Auf eine ganz andere Sorge ging Josef Schifferer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, ein. Er forderte, das Zuschusswesen im Feuerwehrbereich grundsätzlich zu überdenken – vor allem für Kommunen, deren Wehren in Autobahn-Nähe stationiert sind. Als Beispiel führte er die Mitticher Truppe an, die zwei Drittel ihrer Einsätze auf der A 3 leiste. Auch für eine verstärkte Förderung der Freistellung Aktiver für den Feuerwehrdienst machte sich der Bürgermeister von Neuhaus stark. "Wir dürfen das Ehrenamt nicht bis zum letzten belasten", mahnte er unter dem Beifall der Kommandanten.


STATISTIK 2016
Gesamteinsätze: 3.291, davon 2.317 Technische Hilfeleistung (überwiegend nach Unfällen) und 447 Brände.
Einsatzstunden: 292.754.
Feuerwehr-Dienstleistende im Einsatz: 46.246.
Gerettete Personen: 84 bei technischen Dienstleistungen, 4 bei Bränden.
Mitgliederstand im Verband: 155 Feuerwehrvereine mit 153 aktiven Feuerwehren.
Aktive Feuerwehrdienstleistende: 7.335, zudem 1.370 Mitglieder der Jugendfeuerwehren einschließlich Kinderfeuerwehren.

 

Quelle: Vilshofener Anzeiger vom 01.04.2017 -Landkreisseite